Wenn Sie ein kleines Unternehmen führen, ist Ihr Cookie-Banner oft das Erste, was Besucher sehen. Es gehört auch zu den ersten Dingen, die wir bei einem Audit einer Website prüfen. Jeder kann es in Sekunden kontrollieren, und europäische Datenschutzbehörden haben Banner in koordinierten Aktionen überprüft.
Die meisten Banner-Probleme sind Designentscheidungen, keine juristischen Rätsel. Hier sind die fünf Fehler, die wir zuerst prüfen, was das Recht sagt und wie Sie jeden beheben.
Zuerst: die Regeln in einer Minute
Zwei Rechtsakte greifen hier ineinander:
- ePrivacy-Richtlinie, Artikel 5 Absatz 3 verlangt eine Einwilligung, bevor Informationen auf dem Gerät eines Nutzers gespeichert oder ausgelesen werden, etwa Cookies, Pixel oder lokaler Speicher. Ausgenommen ist alles, was unbedingt erforderlich ist, um einen vom Nutzer ausdrücklich gewünschten Dienst bereitzustellen, oder was allein der Übertragung einer Nachricht dient.
- DSGVO legt fest, was eine wirksame Einwilligung ist. Artikel 4 Nummer 11 verlangt eine „freiwillig, für den bestimmten Fall, in informierter Weise und unmissverständlich abgegebene Willensbekundung”, abgegeben „in Form einer Erklärung oder einer sonstigen eindeutigen bestätigenden Handlung”. Artikel 7 fügt Bedingungen hinzu, darunter dass Sie die Einwilligung nachweisen können müssen und dass der Widerruf so einfach sein muss wie die Erteilung.
Fehler 1: Vorangekreuzte Kästchen oder „stillschweigende” Einwilligung
So sieht es aus: Schalter für Analyse und Marketing sind bereits eingeschaltet, oder ein Banner sagt „Durch weiteres Surfen akzeptieren Sie Cookies.”
Was das Recht verlangt: Erwägungsgrund 32 der DSGVO stellt klar: „Stillschweigen, bereits angekreuzte Kästchen oder Untätigkeit der betroffenen Person sollten daher keine Einwilligung darstellen.” Der Gerichtshof der EU hat dies für Cookies in der Rechtssache Planet49 (C-673/17, Urteil vom 1. Oktober 2019) bestätigt: Ein vorangekreuztes Kästchen, das der Nutzer zum Ablehnen abwählen muss, stellt keine wirksame Einwilligung dar. Der Gerichtshof entschied zudem, dass dies unabhängig davon gilt, ob die auf dem Gerät gespeicherten Informationen personenbezogene Daten sind, und dass Nutzer erfahren müssen, wie lange Cookies aktiv bleiben und ob Dritte Zugriff darauf haben.
Die Leitlinien 05/2020 des Europäischen Datenschutzausschusses (EDSA) zur Einwilligung gehen weiter: Die bloße Weiternutzung einer Website ist keine Einwilligung, und Scrollen oder Wischen erfüllt das Erfordernis einer eindeutigen bestätigenden Handlung „unter keinen Umständen”.
So beheben Sie es:
- Stellen Sie jede nicht notwendige Kategorie standardmäßig auf „aus”.
- Entfernen Sie jede Formulierung wie „durch die weitere Nutzung dieser Website”.
- Lösen Sie nicht notwendige Tags erst nach einem klaren Klick auf „Akzeptieren” oder auf eine bestimmte Kategorie aus.
- Nennen Sie in Ihrem Banner oder Ihrer Cookie-Richtlinie für jede Kategorie Zweck, Dauer und beteiligte Dritte.
Fehler 2: Kein gleichwertiges „Alle ablehnen” auf der ersten Ebene
So sieht es aus: ein großer Button „Alle akzeptieren” neben „Einstellungen” oder „Präferenzen verwalten”. Zum Ablehnen muss der Besucher einen zweiten Bildschirm öffnen und Optionen einzeln ausschalten.
Was das Recht verlangt: Die Einwilligung muss freiwillig sein, und das Ablehnen darf nicht mehr Aufwand verursachen als das Akzeptieren. Im Bericht der Cookie-Banner-Taskforce des EDSA (angenommen am 17. Januar 2023) vertrat die überwiegende Mehrheit der Behörden die Ansicht, dass das Fehlen einer Ablehnen-Option auf derselben Ebene wie die Akzeptieren-Option gegen Artikel 5 Absatz 3 der ePrivacy-Richtlinie verstößt. Einige nationale Aufsichtsbehörden wie die französische CNIL hatten diese Position bereits in eigenen Leitlinien und Sanktionen vertreten.
So beheben Sie es:
- Setzen Sie „Alle ablehnen” (oder „Nicht notwendige ablehnen”) auf die erste Ebene, neben „Alle akzeptieren”.
- Behalten Sie „Anpassen” als dritte Option, wenn Sie möchten, aber nie als einzigen Weg zum Nein.
- Prüfen Sie es auf dem Smartphone, wo Buttons oft gestapelt oder versteckt werden.
Fehler 3: Cookies werden vor der Einwilligung gesetzt
So sieht es aus: das Banner sieht perfekt aus, aber wenn Sie beim ersten Seitenaufruf die Entwicklertools des Browsers öffnen, sind Analyse-, Werbe- oder Social-Media-Cookies schon da, bevor jemand klickt.
Was das Recht verlangt: Artikel 5 Absatz 3 verlangt die Einwilligung, bevor Informationen auf dem Gerät gespeichert oder abgerufen werden, es sei denn, die Ausnahme für unbedingt erforderliche Cookies greift. Ein Banner, das erst nach dem Laden der Tracker um Einwilligung bittet, ist reine Dekoration. Nach Artikel 7 Absatz 1 DSGVO müssen Sie außerdem nachweisen können, dass die Einwilligung eingeholt wurde.
So beheben Sie es:
- Laden Sie zuerst Ihr Einwilligungstool und blockieren Sie alle nicht notwendigen Skripte, bis die Einwilligung erteilt ist. Die meisten Consent-Management-Plattformen unterstützen das, aber es muss konfiguriert werden.
- Prüfen Sie auch eingebettete Inhalte: YouTube-Videos, Karten, Chat-Widgets und Social-Buttons setzen oft selbst Cookies.
- Testen Sie selbst. Öffnen Sie ein privates Fenster, laden Sie die Seite und sehen Sie sich Cookies und Netzwerkanfragen an, bevor Sie irgendetwas anklicken. Klicken Sie dann auf „Alle ablehnen” und prüfen Sie erneut.
- Protokollieren Sie die Einwilligungsentscheidungen (Zeitstempel, Banner-Version, getroffene Auswahl), damit Sie die Einwilligung auf Nachfrage nachweisen können.
Fehler 4: Dark Patterns bei Farben und Layout
So sieht es aus: ein heller, kontrastreicher Button „Akzeptieren” und ein blassgrauer Link „Ablehnen”. Oder eine Ablehnen-Option als kleiner Text mitten in einem Absatz. Oder ein Banner, das sich beim Klick auf das X schließt und das stillschweigend als Einwilligung zählt.
Was das Recht verlangt: Der Taskforce-Bericht behandelt mehrere dieser Praktiken. Die Behörden waren sich einig, dass sie nicht jeder Website eine einheitliche Farbe oder einen einheitlichen Kontrast vorschreiben können. Stattdessen wird jedes Banner im Einzelfall daraufhin geprüft, ob sein Design offensichtlich irreführend ist. Der Bericht nennt auch Praktiken, die die Einwilligung ungültig machen können, darunter eine Ablehnen-Option, die nur als Link im Text erscheint, und irreführendes Button-Design. Die EDSA-Leitlinien 03/2022 zu irreführenden Designmustern (verfasst für Social-Media-Plattformen, aber hilfreich, um die Denkweise der Aufsichtsbehörden zu verstehen) beschreiben Taktiken wie „Skipping”, „Hindering” und „Stirring”, mit denen Nutzer zu einer Entscheidung gelenkt werden.
So beheben Sie es:
- Geben Sie „Alle akzeptieren” und „Alle ablehnen” gleiche Größe, Form und optisches Gewicht.
- Verwenden Sie schlichte Button-Beschriftungen. Vermeiden Sie Tricks wie „Nein danke, ich mag keine besseren Inhalte”.
- Werten Sie das Schließen des Banners nicht als Einwilligung.
Fehler 5: Der Widerruf ist schwieriger als die Einwilligung
So sieht es aus: das Akzeptieren kostet einen Klick auf der Startseite, aber wer es sich anders überlegt, muss einen Link am Ende der Datenschutzerklärung suchen oder dem Unternehmen eine E-Mail schreiben.
Was das Recht verlangt: Artikel 7 Absatz 3 DSGVO ist eindeutig: „Der Widerruf der Einwilligung muss so einfach wie die Erteilung der Einwilligung sein.” Die Person muss über dieses Recht außerdem vor der Einwilligung informiert werden. Die EDSA-Leitlinien zur Einwilligung ergänzen: Wird die Einwilligung mit einem Mausklick, einer Wischgeste oder einem Tastendruck erteilt, müssen Personen sie in der Praxis ebenso leicht über dieselbe Oberfläche widerrufen können.
So beheben Sie es:
- Bieten Sie einen dauerhaften, leicht auffindbaren Weg, die Cookie-Einstellungen erneut zu öffnen, etwa ein kleines schwebendes Symbol oder einen klaren Link „Cookie-Einstellungen” in der Fußzeile jeder Seite.
- Lassen Sie den Widerruf sofort wirken: Stoppen Sie die Tags und löschen oder beenden Sie die nicht notwendigen Cookies, soweit möglich.
- Weisen Sie auf der ersten Ebene des Banners darauf hin, dass man seine Entscheidung jederzeit ändern kann, und wo.
Ein kurzer Selbsttest, bevor Sie fertig sind
Bei einem Audit prüfen wir in dieser Reihenfolge: Standardzustand, erste Ebene, Aktivität vor dem Klick, Button-Design, dann Widerruf. Das können Sie in einem privaten Browserfenster genauso tun.
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FAQ
Brauche ich ein Cookie-Banner, wenn ich nur „essenzielle” Cookies nutze?
Cookies, die für einen vom Nutzer gewünschten Dienst unbedingt erforderlich sind (zum Beispiel ein Warenkorb oder eine Login-Sitzung), sind nach Artikel 5 Absatz 3 der ePrivacy-Richtlinie von der Einwilligung ausgenommen. Analyse- und Werbe-Cookies gelten in der Regel nicht als unbedingt erforderlich.
Reichen „Akzeptieren” und „Einstellungen”?
In der Regel nein. Laut dem Bericht der Cookie-Banner-Taskforce des EDSA verlangen die meisten europäischen Behörden, dass die erste Ebene eine Ablehnungsmöglichkeit bietet, die so leicht zugänglich ist wie das Akzeptieren.
Darf ich eine „Cookie-Wall” verwenden, die die Seite blockiert, bis Nutzer akzeptieren?
Nach den EDSA-Leitlinien 05/2020 führt es nicht zu einer freiwilligen Einwilligung, wenn der Zugang zu Inhalten von der Annahme von Cookies abhängig gemacht wird. Nationale Regeln und Leitlinien können im Detail abweichen, prüfen Sie daher die Aufsichtsbehörde Ihres Landes.
Gilt die Cookie-Einwilligungspflicht auch, wenn Cookies keine personenbezogenen Daten enthalten?
Ja. In der Rechtssache Planet49 entschied der Gerichtshof, dass das Einwilligungserfordernis des Artikels 5 Absatz 3 für auf dem Gerät des Nutzers gespeicherte Informationen gilt, unabhängig davon, ob es sich um personenbezogene Daten handelt.
Wie oft sollte ich mein Banner erneut prüfen?
Prüfen Sie es immer, wenn Sie ein neues Tool, Plugin oder Tracking-Tag hinzufügen, und nach Updates Ihrer Consent-Plattform. Auch regelmäßige Kontrollen helfen.
Quellen
- GDPR, Regulation (EU) 2016/679, Articles 4(11), 7 and Recital 32, EUR-Lex
- ePrivacy Directive 2002/58/EC, Article 5(3), as amended by Directive 2009/136/EC, EUR-Lex
- CJEU, Case C-673/17, Planet49, Grand Chamber judgment of 1 October 2019, CURIA
- CJEU, Case C-673/17, Planet49, EUR-Lex
- EDPB, Guidelines 05/2020 on consent under Regulation 2016/679 (adopted 4 May 2020)
- EDPB, Report of the work undertaken by the Cookie Banner Taskforce (adopted 17 January 2023)
- EDPB, Guidelines 03/2022 on deceptive design patterns in social media platform interfaces (v2.0, 14 February 2023)
- CNIL: EDPB adopts final report of outcome of the cookie banner task force (18 January 2023)
Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information und ist keine Rechtsberatung. Die nationalen Vorschriften zur Umsetzung der ePrivacy-Richtlinie unterscheiden sich in den EU-Mitgliedstaaten. Prüfen Sie daher die Hinweise Ihrer lokalen Aufsichtsbehörde oder wenden Sie sich für Ihre konkrete Situation an eine qualifizierte Fachperson.
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